SSD vs. Festplatte – Vorteile/Nachteile/Mythen

13. Juni 2009 | Kategorien: Hardware | Tags: ,

disktoolSSD” geistert seit einigen Jahren immer mehr durch die Computerbranche und seit SSD-Laufwerke (SSD steht übrigens für Solid State Drive) für Normalbürger bezahlbar geworden sind gibt es diese natürlich auch ganz offiziell in Macs. Hier einmal ein paar Mythen und Fakten rund um SSDs

Lebensdauer

Immer wieder wird man von selbsternannten “Experten” darauf hingewiesen, dass eine SSD eine extrem kurze Lebensdauer habe. Die Lebensdauer von SSDs ist in der Tat beschränkt, da einzelne Zellen des Flash-Speichers nur eine begrenzte Anzahl an Schreibzyklen überleben. Würde man immer wieder die selbe Speicherzelle einer SSD beschreiben, so würde sich diese tatsächlich extrem schnell abnutzen und ihre Lebenszeit wäre extrem kurz. Allerdings haben alle modernen SSDs eine Art Logbuch, welches den Zustand der einzelnen Speicherzellen beinhaltet und mit dessen Hilfe die SSD intern die Daten immer auf die am wenigsten abgenutzten Sektoren verteilt. Diesen Vorgang nennt man Wear Leveling. Durch diese Technik erreichen moderne SSDs selbst im Dauerbetrieb theoretische Lebenszeiten von 10Jahren und mehr. Außerdem enthalten moderene SSDs noch eine gewisse Menge an zusätzlichen Speicherzellen, welche benutzt werden können, wenn eine der normalen Speicherzellen das zeitliche gesegnet hat. Dies erhöht zusätzlich die Lebensdauer.

Bis eine SSD also ihrer geringeren Lebensdauer wirklich erliegt, dürften andere Faktoren wie Speicherkapazität die SSD sowieso längst obsolet gemacht haben.

-> Ohne wirkliche Bedeutung

Fragmentierung

Die Fragmentierung eines Dateisystems beschreibt den Grad an Chaos das herrscht. Eine Datei muss bei keinem (mir bekannten) Dateisystem am Stück auf dem Datenträger gespeichert werden sondern kann in kleine Stücke aufgeteilt über den gesamten Speicherraum verteilt werden. Bei Festplatten führt dies unweigerlich dazu, dass der Lesekopf wild umherspringen muss und damit wertvolle Zeit verschwendet, in der er keine Daten lesen kann. Deshalb gibt es seit langem Programme, welche diese Dateistücke sortieren, so dass die Dateien an einem Stück auf dem Datenträger gespeichert sind. Eine SSD hat keinen Lesekopf und damit existiert dieses Problem für SSDs genausowenig wie für RAM (Arbeitsspeicher).

Eine Defragmentierung schadet einer SSD, da hierdurch Schreibzyklen verschwendet werden – es gibt keinen Geschwindigkeitsvorteil!

-> Pro SSD: Man spart sich die Defragmentierung ohne einen Nachteil dadurch zu erhalten.

Leistungsverbrauch

Während eine Festplatte ca. 7-12Watt verbraucht begnügt sich eine SSD mit schlappen ca. 0,5-3Watt. Dies ist zwar kein großer Einschnitt in die Stromrechnung, bei mobilen PCs kann dies jedoch sehr positiv auf die Akkulaufzeit wirken, vor allem bei Anwendungen welche sehr viel Festplattenaktivität hervorrufen.

-> Pro SSD: Vor allem für mobile Geräte

Geschwindigkeit

Schnelle Festplatten kommen auf maximal 100MB/sec Transferrate. SSDs hingegen kommen auf bizu 300MB/sec. SSDs sind im Allgemeinen bei Schreibvorgängen jedoch wesentlich langsamer als bei vergleichbaren Lesevorgängen, während Festplatten bei schreiben & lesen die selben Transferraten erreichen.

Im Punkt Geschwindigkeit gibt es auch zwischen SSDs große Unterschiede. SLC SSDs sind im allgemeinen schneller, aber auch teurer als MLC SSDs. Außerdem sind SLC SSDs meistens nur in geringeren Speichergrößen erhältlich.

-> Pro SSD

Speichergröße

Die größten Festplatten im 3,5″ Format erreichen derzeit 1500GB während SSDs nur 512GB erreichen. Bezahlbar sind jedoch im Allgemeinen nur Modelle bis 256GB

-> Pro Festplatte

Kosten

Der Preis von SSDs ist pro GB wesentlich höher als der Preis von Festplatten.
Eine SSD kann schon einmal das 30-40fache an €/GB erreichen. Vor allem die SLC SSDs sprengen sehr schnell ein Budget.

-> Pro Festplatte

Schockresistenz

Der Lesekopf einer Festplatte schwebt im Betrieb nur auf einem dünnen Luftpolster über den empfindlichen Magnetscheiben. Erschütterungen können dazu führen, dass der Lesekopf der Festplatte auf die Magnetschreibe aufsetzt und diese beschädigt.

Eine SSD hat keine beweglichen Teile und ist dadurch extrem belastbar. Der PC um die SSD herum dürfte im Normalfall wesentlich weniger Belastung aushalten als die SSD selber.

-> Pro SSD: Vor allem bei mobilen Geräten sind Erschütterungen im Betrieb nicht gerade selten.

Fazit

Wer nicht gerade unbedingt massive Mengen an Speicherplatz benötigt oder knapp bei Kasse ist sollte sich unbedingt Gedanken darüber machen ob eine SSD nicht eventuell in Frage kommt. Vor allem bei mobilen Geräten haben SSDs große Vorteile.

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  1. August 21st, 2012 at 09:31

    @ PAgore
    Löschen einzelner Dateien:
    Doch ist möglich, wenn das Betriebssystem, die SSD und der Controller zusammen mit TRIM umgehen können, dann können gelöschte Daten auch mit TRIM genullt werden. Generell sind die Sektoren aber sowieso dann auf null wenn man die Überschreibt, also selbst bei normalem überschreiben kommt man nurnoch mit Tricks (und Glück, wenn das Wear-Leveling den Sektor tatsächlich vor dem Löschen geschützt hat) an die Daten die da mal waren dran. 100% Sicherheit ist es nicht aber für alle die das benötigen gibt es auch SSDs die Hardwaretechnisch auf Knopfdruck endgültig zerstörbar sind.

    Wegen Plausible Deniability, das ist inzwischen (z.B. mit TrueCrypt) gegeben, auch bei SSDs. Dort werden TRIM-Kommandos nur noch dann weitergereicht wenn es die Glaubwürdigkeit nicht untergräbt:
    http://www.truecrypt.org/docs/?s=trim-operation
    -> Geht dann natürlich auf Kosten von Geschwindigkeit

  2. PAgore
    August 21st, 2012 at 02:36

    ein kleinen Nachteil hast du aber bei den SSDs vergessen:

    sicheres löschen von einzelnen Daten ist nicht machbar.
    Wenn man also mal eine einzelne Datei löschen will, so dass sie nicht mehr wiederherstellbar ist, geht das bei SSDs nicht.

    Außerdem hat SSD was “Plausible Deniability” angeht auch keine chance :)

    Ansonsten kenne ich keine weiteren wirklichen Nachteile bei SSDs! :-)
    Die SSDs werden wohl schon sehr bald die einzige Festplatte auf dem Markt bleibt.

  3. boobbb
    Juni 20th, 2010 at 18:49

    was ist damit?

    ttp://ht4u.net/news/21694_sandisk_bietet_consumer-ssds_mit_120_gb_und_80_tbw_lebensdauer/

  4. bardiir
    Juni 20th, 2010 at 17:29

    @boobbb
    JA! Weil die durchschnittliche Festplatte heutzutage sowieso kaum länger als 5 Jahre in Benutzung sein wird bevor se durch nen Modell mit deutlich höherer Speicherdichte ausgewechselt wird. Von demher ist das Altersargument inzwischen erledigt. Wer wird sich in 10 Jahren schon noch um eine SSD kümmern die nach Stand der Technik dann vermutlich Faktor 100 langsamer ist als aktuelle Technik und Vermutlich Faktor 1000 weniger Speicherplatz benötigt.

    Vor gerade mal 25 Jahren waren 1,44MB Disketten voll die krass neue Scheiße, 10 Jahre später waren se Gebrauchsware und es gab mit Zip nen Format das 80x soviel fasste. Und nochmal 10 Jahre später wurde man mit den Dingern schon ausgelacht.

    Vor 10 Jahren war die größte Festplatte die es damals gab etwas über 20GB, wer hat wohl heutzutage noch eine solche Festplatte verbaut :D
    Welches Alter hätten wir denn gerne? 15Jahre? Vor 15 Jahren waren die größten Festplatten 1,5GB groß. Da passt heutzutage nichtmal mehr das Betriebssystem drauf.

    Übrigens sind die Chancen dass eine Festplatte nach 10 Jahren dauerbetrieb lesend/schreibend noch irgendwelche Lebenszeichen von sich gibt ebenfalls verschwindend gering. Benutzt man eine SSD nur 12h am Tag auf Volllast hält das Ding schon 20 Jahre im Schnitt. Benutzt man den Computer nur leicht und vor allem zu lesender Aktivität wie surfen wird das Ding im Schnitt älter als der Benutzer selbst :D

  5. boobbb
    Juni 20th, 2010 at 17:22

    du nennst eine festplatte die max 8-10 jahre alt wird besser? LOL!